Selbstmord :(
26 Mar 2011 10 Kommentare
in mit Grund! Schlagworte: Brücke, Kreuz, Selbstmord, Sprung, Suizid, Tod, Trauer
Heute möchte ich mal nicht zur Unterhaltung dienen, sondern einen kleinen Denkanstoß geben und ein ernsteres Thema ansprechen: Suizid.
In der Nähe von dem Dorf, indem ich wohne, gibt es eine ziemlich hohe Autobahnbrücke, von der jährlich einige Menschen Selbstmord begehen. Unten auf einer kleinen Wiese neben der Straße stehen auch einige Kreuze. Natürlich erfährt man nicht von allen Menschen, die ihr Leben mit dem Sprung von dieser Brücke beenden, dennoch habe ich im Jahr 2010 von 2 Personen etwas mitbekommen. Einer von ihnen war ein indirekter Kollege meiner Mutter.
Da Suizid auch öfters mal thematisiert wird, möchte ich kurz und sachlich ein wenig dazu schreiben. Ich möchte nicht zu tief auf dieses Thema eingehen, da es vielleicht auch bei manchen Lesern Erinnerungen aufrufen könnte. Oftmals sind Selbstmorde blutig und grausam und schockierend, besonders für die unmittelbar betroffenen Personen, wobei man immer zu diesen dazu gehören könnte. Man braucht nur mit dem Zug zu fahren.
Bei meinen Recherchen nach Suizidgründen, habe ich viele Antworten gefunden, die häufigsten sind wohl Depressionen aus verschiedensten Gründen oder vor allem bei älteren Menschen der Wunsch nichtmehr zu leben, wenn der Ehepartner stirbt. Ich werde hier keine Urteile über Suizid aufführen oder Gründe hierfür erläutern, weil ich keine Ahnung habe, wie es sich anfühlt, wenn man als größten Wunsch den Tod hat. Psychologen mögen alle möglichen Gründe vermuten, aber wer kann denn sicher sagen, was tief im Inneren eines suizidgefährdeten Menschen vorgeht? Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen es oft nicht einmal selbst wissen.
Schaut man sich Statistiken von Selbstmordraten an, stellt man fest, dass sich deutlich mehr Männer das Leben nehmen. Seltsam ist, dass die Anzahl an Frauen mit dem Alter zunimmt. Bei den Männern kann man das nicht so sagen. Allerdings steigt die Anzahl der Männer ab 70 Jahren ebenso wie bei Frauen an. Im Alter von 85-90 Jahren begehen laut Statistiken 86 von 100.000 Männern Selbstmord. Die höchste Selbstmordrate bei den Frauen dagegen ist bei über 90 Jahren. 19 von 100.000 Frauen begehen Selbstmord. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass es mehr als doppelt so viele Suizid begehende Männer gibt wie Frauen. Die meisten Suizidstatistiken fangen bei einem Alter von 15-20 Jahren an und zählen sowohl bei Männern als auch bei Frauen durchschnittlich einen Suizidfall pro 100.000 Menschen.
Mir bleiben einige Fragen offen, wie zum Beispiel, warum sich jemand dazu entscheidet, sich ausgerechnet vor einen Zug zu legen. Oder geht es einfach nur darum, möglichst schnell zu sterben? Oder warum gibt es auch so krasse Fälle, in denen jemand noch etliche Menschen mit sich in den Tod reißt, wie z.B bei einem Selbstmordttentat.
Das Thema beschäftigt mich gerade in diesem Moment sehr und aus diesem Grund weiß ich nicht, was ich noch schreiben könnte. In diesem Sinne, hoffentlich bis zum nächsten Mal.
Mar 26, 2011 @ 19:17:27
..und jeder Einzelne ist Einer zu viel..
Mar 27, 2011 @ 08:38:44
warum man sich vor den zug legt? warum nicht? man will sich umbringen und informiert sich über mögliche methoden und sucht sich die aus, die einem am meisten zusagt.
sich vor den zug legen ist “einfach”, man braucht sich keine materialien beschaffen, muss nichts aktiv machen (hinlegen und überfahren lassen – passiv), es gilt als relativ sicher, es ist eine bekannte und populäre methode (man hört oft ja immer wieder davon, es ist nichts “exotisches”).
andere wollen niemanden mit reinziehen und erschießen sich lieber zu hause.
oder sie wollen es ruhiger, gewaltfreier und vergiften sich.
*schulterzuck* persönliche vorlieben.
warum man andere mit in den tod nimmt? keine ahnung. religiöse überzeugung? hass – auf bestimmte personen, personengruppen, menschen allgemein? fürsorge (“ich töte ihn auch, damit er nicht um mich trauern muss”)? wunsch nach beachtung (ein stiller, leiser suizid fällt weniger auf als ein blutbad)?
Mar 27, 2011 @ 17:39:06
Da wünsch ich Dir viel Erfolg bei Deiner Recherche, aber auch genug Abstand zu dem Thema.
Ich bin suizidal, habe letztes Jahr einen Versuch gemacht; momentan einigermassen stabil.
Die GRünde, die zu so was führen, sind wohl bei jedem in der Lebensgeschichte zu sehen. Es gibt augenscheinliche Gründe (Verlust von Partner, Job,…) aber auch Gründe, die dahinter stecken – nicht jeder macht wegen Jobverlust Suizid.
Was aber mit den Lebensthemen und -Ängsten, die man z.B. durch die Erziehung mitbekommen hat? Z.B. bei mir durch meine Mutter die permanente Angst vor dem sozialen Abstieg, daraus folgend ein “immer Leistung” bringen verinnerlicht, Burnout irgendwann, und man merkt, es geht nicht mehr…
Also, Dir viel Erfolg.
Mar 28, 2011 @ 10:46:45
Das ist leider ein Thema, was mich auch berufsbedingt immer mal wieder beschäftigt. Auch, wenn mal mal länger in der Blogger-Szene unterwegs ist, findet man immer mehr Menschen, die sich mehr oder weniger öffentlich mit diesem Thema beschäftigen oder an der Grenze zum Suizid stehen und wo man dann nur hoffen kann, dass es nicht passiert.
Hin und wieder sind es aber auch einfach Kurzschlussreaktionen, weil es den Menschen anscheinend plötzlich zu viel wird. Wie waltkaye schon sagt: Die Gründe dafür können aus allen Lebensbereichen kommen und oft genug gibt es einen krassen Unterschied zwischen dem, was die Suizidgefährdeten nach aussen hin sind und was wirklich in ihnen vorgeht. Die Dunkelziffer der Suizidgefährdeten ist da vermutlich auch wesentlich höher als gedacht.
Tja, und das Thema Zug: Das ist auf jeden Fall eine recht sichere Möglichkeit, schnell und ohne größeren Aufwand aus dem Leben zu scheiden. Dass der durchschnittliche Zugführer in seiner Berufslaufbahn aber im Schnitt 3-5 Suizidanten überfährt bzw machtlos dabei zusehen muss, wie er gerade mit seinem Zug jemanden überfährt und dementsprechend psychisch geschädigt wird, ist den Selbstmördern leider entweder nicht bewusst oder egal.
Mar 28, 2011 @ 21:08:41
“egal” klingt so nach “na und? was juckt mich der zugführer?!”… irgendwie das falsche wort. nach meiner erfahrung ist es eher so, dass kurz vor dem suizidversuch nichts mehr von bedeutung ist. was man anderen antut, das hat nichts mehr mit einem selbst zu tun, das findet in einer völlig “anderen welt” statt.
(hätte noch irgendwas eine bedeutung, würde man sich vielleicht gar nicht umbringen *denk*)
davon abgesehen gibt es sehr wohl auch menschen, denen bewusst ist, was sie dem zugführer antun und die auch ein schlechtes gewissen deswegen haben. nur aus welchen gründen auch immer, kommt eine andere methode für sie nicht in frage. also legen sie sich auf’s gleis und hoffen, dass der zugführer hilfe bekommen wird…
naja, und bei kurzschluss-handlungen ist es den leuten vermutlich wirklich nicht bewusst. wer kann schon klar über die konsequenzen seines tuns nachdenken, wenn er von irgendwelchen gefühlen oder situationen völlig übermannt wird…
Mar 29, 2011 @ 09:10:18
Da muss ich Dir Recht geben, “egal” ist da vermutlich nicht die richtige Wortwahl, sorry. Wie Du schon sagst: Wenn man sich erst einmal dazu durchgerungen hat, sich das Leben zu nehmen, verliert alles andere an Bedeutung. Da zählt dann vermutlich wirklich nur noch, möglichst “einfach” und schnell aus dem Leben zu scheiden, auch wenn im Falle des Zuges leider andere Personen mit involviert sind.
Mar 30, 2011 @ 11:36:17
Psychiater gehen immer mehr davon aus, daß Suizidalität eine zur Depression ZUSÄTZLICH auftretende Krankheit ist. Denn mit Lithium (und NUR damit) lassen sich, wie bei mir, Suizidgedanken behandeln. So bin ich depressiv ohne sterben zu wollen, das ist auch schon etwas wert.
Zur Wahl der Methode: Du hast keine Wahl. Du willst sterben und nur das. Und nichts anderes hast Du dann im Kopf. Auch wenn Dir beswußt sein kann, daß Du andere mit hineinziehst (Lokführer etc), Du kannst nicht anders, denn Du kannst unmöglich weiterleben. Das macht zuätzlich schlechtes Gewissen, aber.
Apr 01, 2011 @ 05:52:55
ich denke, man muss zwischen 2 Zuständen des Selbstmordwunsches unterscheiden:
- den aus purer, schnell entstandener Verzweiflung. D.h. irgendwas triggert den Impuls, und nun muss es sein. Da ist der Wahl der Mittel wohl das, was gerade verfügbar ist, auch wenn es der Zug ist.
- den etwas länger sich anbahnenden Suizid. Wenn man schon Tage damit herummacht. Da kann man durchaus planvoll damit umgehen, und den Suizid passend wählen.
Ich kenne beide Modi; während des ersten hatte ich einen Versuch (erfolglos, wie man sieht), aber nicht mit dem Zug, sondern Messer – Zug wollte ich aber danach machen.
Im zweiten “Grundmodus”, während schwere Depressionen, da plane ich schon genauer. Will niemanden triggern – wer es wissen will schaue auf mein Blog rechte Seite (Umfrage), da stehen ein paar Methoden, von denen ich etwa die Hälfte im Kalkül habe.